Die EU und ihre Mitgliedstaaten haben sich rechtlich dazu verpflichtet, Abfälle entsprechend der sogenannten Abfallhierarchie zu entsorgen. Die europarechtliche Vorgabe ist die Abfallrahmenrichtlinie (Richtlinie 2008/98/EG). Sie definiert eine fünfstufige Abfallhierarchie und wurde in Paragraph 6 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes verankert.

An erster und wichtigster Stelle steht dabei die Abfallvermeidung

Die Formel ist einfach: Abfälle, die es nicht gibt, haben auch keinen CO₂-Fußabdruck. Ob Rest- oder Bioabfall, Altpapier oder Leichtverpackungen: durch die Entsorgung kommt es zu Emissionen, die der Klimarechner für Bonn aufzeigt. In Bonn wird daher gemäß der Abfallsatzung honoriert, wenn Restabfall vermieden wird. Die Abfallgebühr richtet sich grundsätzlich nach dem festgeschriebenen Mindestvolumen von 15 Liter pro Person und Woche. Tatsächlich liegt das durchschnittliche Restabfallvolumen aber deutlich höher. Etwa 27 Liter sind es pro Bonner*in und Woche, die bonnorange leert – davon ausgehend, dass 85 Prozent der gesamten in der Straßensammlung gesammelten Restabfallmenge in Bonn Hausmüll ist und die übrigen 15 Prozent hausmüllähnliche Gewerbeabfälle sind. In Bonn sind in der Gebühr für den Restabfall die Bioabfallsammlung, die Altpapierabfuhr, dreimal jährlich Sperrmüll sowie ein flexibler, gebührenfreier Termin pro Objekt, die Abholung von Elektrogroßgeräten auf Bestellung und die Annahme von gefährlichen Abfällen (Schadstoffen) an den Wertstoffhöfen inbegriffen. Bei nachgewiesener Unterschreitung der Mindestabfallmenge durch Abfallvermeidung und -verwertung, kann als Mindestvolumen 10 Liter pro Person mit Hauptwohnsitz und Woche festgesetzt werden.

Zweitwichtigstes Ziel ist die Vorbereitung zur Wiederverwendung durch Reinigung oder Reparatur

Ein wesentlicher Anteil des CO₂-Fußabdrucks hat sowohl die Produktion neuer Güter als auch die Entsorgung alter Produkte. Um Ressourcen zu schonen, sollten wir als Gesellschaft weniger verbrauchen und Dinge so lange wie möglich gebrauchen. Die Vorbereitung zur Wiederverwendung hat daher entsprechend der Abfallhierarchie gesetzlich Priorität vor Recycling und energetischer Verwertung. Unter dem Begriff ReUse werden Möglichkeiten zusammengefasst, damit hochwertige Gebrauchtwaren für jeden einfach zugänglich sind. Auch in Bonn gibt es zum Beispiel Modelle zum Teilen, Leasen und Ausleihen von Produkten. Die bonnorange AöR verhilft dem reichhaltigen Second-Hand-Angebot zu mehr Sichtbarkeit und klärt außerdem darüber auf, dass die Industrie die Voraussetzungen schaffen muss, indem Hersteller die Reparierbarkeit als festen Bestandteil ihres Produktdesigns berücksichtigen.

Erst an dritter Stelle steht das Recycling

Durch das Recycling sollen Stoffe wieder als Rohstoffe in der Produktion eingesetzt werden. Wichtig ist, dass diese Wertstoffe möglichst sortenrein gesammelt werden. In Bonn trennen wir aber nicht gut genug: Die Hausmüllanalyse der bonnorange AöR hat gezeigt, dass fast 50 Prozent des Abfalls, der in der Grauen Tonne landet, dort nicht hineingehört. Trotz der getrennten Sammlung von Küchen- und Gartenabfällen über die Biotonne besteht der Restabfall zu 25,8 Prozent (41,8 Kilogramm) daraus. Häufig werden sogar noch verpackte Lebensmittel entsorgt: Erstaunliche 7,6 Prozent (12,3 Kilogramm) davon entsorgt jede*r Bonner*in im Jahr. Etwa 14,5 Prozent (23,5 Kilogramm) des Abfalls bestehen aus verwertbarem Altpapier, Altglas, Verpackungen, Alttextilien sowie -schuhen. Zudem landen leider pro Bürger*in und Jahr 1 Kilogramm Elektroaltgeräte und Problem- oder Schadstoffe in der Bonner Restabfalltonne. Sauber getrennt lassen sich aus Papier, Pappe und Kartonage die Zellstofffasern wiedergewinnen, um wieder zu Papier zu werden, womit das Altpapierrecycling ein wichtiger Beitrag zum Umwelt- und Ressourcenschutz ist. Würde man aus der jährlich in Bonn gesammelten Menge Altpapier Recyclingpapier herstellen, dann würde das 58.000 Tonnen Holz, 613 Millionen Liter Wasser, 207 Millionen Kilowattstunden Energie und 20.000 Tonnen CO₂ gegenüber der Herstellung von Frischfaserpapier einsparen.

Bei der sonstigen Verwertung lässt sich Energie gewinnen

Durch die energetische Verwertung in der Müllverwertungsanlage (MVA) wird aus dem Bonner Abfall Energie gewonnen, die zur Strom- und Fernwärmeversorgung beiträgt. Bei dieser thermischen Verwertung von Abfällen bleibt am Ende die sogenannte Schlacke übrig, aus der alle verbliebenen Eisenmetalle und Nichteisenmetalle zurückgewonnen und über die Industrie als sogenannte Sekundärrohstoffe zurück in den Kreislauf gebracht werden. Durch die Verbrennung können fossile Energieträger eingespart werden, sodass bei der Anwendung der Ökobilanzmethode der Abfallwirtschaft (in Anlehnung an ISO 14040/44) mit der Berücksichtigung nicht nur direkt verursachter Emissionen, sondern auch durch abfallwirtschaftliche Aktivitäten vermiedene Emissionen –  gegenüber der klassischen Betrachtung des „Fußabdrucks“ – berücksichtigt werden. Die so generierten Substitutionspotenziale erzeugen für den Moment noch Gutschriften, weil Emissionen, die sonst zum Beispiel in der Energiewirtschaft anfallen würden, vermieden werden. Dieser Effekt besteht aber nur solange, wie fossile Energieträger zum Einsatz kommen bzw. der Energiemix in Deutschland noch einen großen CO₂-Fußabdruck hat. Durch Abfallvermeidung und Mülltrennung kann jede*r Bonner*in einen Beitrag dazu leisten, dass möglichst wenig Restabfall entsteht, der zur Energiegewinnung eingesetzt wird.

Am Ende steht die Beseitigung

Stoffe, die nicht in den Kreislauf zurückgeführt werden sollen, werden beseitigt, indem sie in dafür zugelassenen Anlagen behandelt, gelagert oder abgelagert werden. Das Deponierungsverbot für unbehandelten Restabfall ist ein zentraler Baustein, um Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Vor dem Verbot landeten die Abfälle aus Bonn auf der Deponie in Bornheim-Hersel, für deren Nachsorge nach ihrer Schließung die bonnorange AöR verantwortlich ist. Deponiert werden heutzutage noch hochgiftige Stoffe und mineralische Abfälle. Dazu gehört der Bauschutt, der in Bonn anfällt, aber auch die Reste aus der Schlacke der MVA, nachdem die Wertstoffe daraus zurückgewonnen wurden. Die sogenannte Mineralik wird unter anderem zur Verfüllung von Deponien genutzt.