Bei der 657. Ausgabe von Pützchens Markt wird verstärkt auf Mehrweg-Geschirr gesetzt. Damit ist Bonn dem Ziel, bei Großveranstaltungen die Ausgabe von Speisen und Getränken auf Mehrweg umzustellen, einen großen Schritt näher gekommen, nachdem dies bereits auf den Bonner Weihnachtsmärkten 2025 und dem Deutsche Post Marathon 2026 gelungen war.
Die Formel ist einfach: die besten Abfälle sind die, die gar nicht erst entstehen. Darum steht die Abfallvermeidung im deutschen und europäischen Kreislaufwirtschaftsrecht in der Abfallhierarchie an erster Stelle. Durch Mehrwegverpackungen wird Einwegmüll vermieden. Und da die Entwicklungen und Innovationen am Markt der Mehrweg-Alternativen in den letzten Jahren an Fahrt aufgenommen haben, wurde von bonnorange im Juli 2019 mit dem Claim „Werde Cupster“ die Initiative „Bonn geht den Mehrweg“ gestartet, noch bevor 2021 das Einwegplastikverbot in Kraft trat und die Ausweitung der Kampagne auf Mehrweggeschirr erfolgte. 2022 erhielt die bonnorange AöR dafür den ZfK-NachhaltigkeitsAWARD 2022 in Bronze. Seit 1. Januar 2023 gilt durch das novellierte Verpackungsgesetz, dass Betriebe, die Speisen und Getränke zum Außer-Haus-Verzehr verkaufen, ihren Kund*innen eine Mehrwegalternative anbieten müssen. Mit „Bonn geht den Mehrweg“ informiert die bonnorange AöR Gastronom*innen, Lebensmittelhandel und Verbraucher*innen, um die Vermeidung von Einwegmüll in Bonn auszubauen – auch bei Großveranstaltungen wie den Bonner Weihnachtsmärkten, dem Deutsche Post Marathon und Pützchens Markt.
In Paragraph 3 Absatz 4 der Bonner Abfallsatzung steht: „Bei Veranstaltungen, die auf öffentlichen Verkehrsflächen, auf für die öffentliche Nutzung bestimmten sonstigen Grundstücken oder in Einrichtungen der bonnorange AöR oder der Stadt Bonn durchgeführt werden, dürfen Speisen und Getränke nur in mehrfach verwendbaren, ggf. pfandpflichtigen Verpackungen und Behältnissen und nur mit Mehrwegbesteck ausgegeben werden. Ausnahmen von dieser Pflicht können, soweit sie nicht gesetzlich geboten sind, im Einzelfall zugelassen werden, wenn Belange des öffentlichen Wohls dieses erfordern.“ Diese Regelung geht auf den Beschluss des Rates der Stadt Bonn in seiner Sitzung am 5. Oktober 1995 über das „Konzept zur gänzlichen Vermeidung von Einweggeschirr, -besteck, -dosen, -flaschen, -bechern und sonstigen Behältnissen bei Veranstaltungen auf öffentlichen Flächen und in öffentlichen Gebäuden“ zurück.
Bonn läuft den Mehrweg
Im April 2025 leistete der Deutsche Post Marathon Pionierarbeit. Denn an zwei Versorgungsstationen wurden erstmals Erfrischungsgetränke in wiederverwendbaren Bechern für die Teilnehmenden bereitgestellt. Mit diesem Mehrwegkonzept wurden erste Erfahrungen mit Mehrwegbechern auf Laufveranstaltungen gesammelt und die Handhabung erprobt, sodass der Marathon in diesem Jahr an allen Verpflegungsstationen ein Mehrwegbecherkonzept einsetzen konnte. Mit dieser erfolgreichen Umstellung setzte die Laufveranstaltung in diesem Jahr ein deutliches Zeichen für Abfallvermeidung.
Weihnachtsmärkte und Pützchens Markt auf dem Mehrweg
Die in der Satzung vorgegebene Möglichkeit für Ausnahmegenehmigungen, die durch bonnorange erteilt werden können, besteht weiterhin. Allerdings wurden die Bedingungen im Lichte der Entwicklungen und Innovationen beim Einsatz von Mehrweggeschirr der letzten Jahre gemeinsam mit der Stadt Bonn und dem Schaustellerverband Bonn aktualisiert. Darum hat die Abfallberatung der bonnorange AöR bereits bei Pützchens Markt 2025 Gespräche und Aufklärungen an den Verkaufsstellen beim Aufbau und bei der Veranstaltung durchgeführt. Zudem wurden Mehrweg-Versuche an Ständen unternommen, um Erkenntnisse zu sammeln und die Handhabung von Mehrweg bei der Großkirmes zu erproben.
Diese Erfahrungen haben maßgeblich dazu beigetragen, die Mehrwegpflicht flächendeckend beim Weihnachtsmarkt 2025 umzusetzen. Traditionell werden die beliebten Heißgetränke auf den Weihnachtsmärkten in den Stadtbezirken Bonn und Bad Godesberg in dekorative Tassen gefüllt, doch beim Speisenangebot wurde in den vergangenen Jahren noch eine Vielzahl von Einwegverpackungen eingesetzt. Zusammen mit der Stadt Bonn und den Beschicker*innen der Weihnachtsmärkte hat die bonnorange AöR für 2025 ein Mehrwegkonzept erarbeitet, das auf positive Resonanz gestoßen ist. Und die Abfallmenge ist um 9,75 Tonnen im Vergleich zum Vorjahr gesunken.
Peter Barth vom Schwarzwaldgrill auf dem Bonner Weihnachtsmarkt hat zwar auch ein paar wenige Ausnahmen erlebt: „Aber im Großen und Ganzen sind die Kunden damit zufrieden, dass sie auch Pfand bezahlen müssen.“ Friedrich Rüwe von der Bonbon-Manufaktur ist überzeugt, dass es sinnvoll war, sich mit den Schausteller-Kolleg*innen zusammenzusetzen und einen einheitlichen Preis für das Pfandsystem abzusprechen. So können Teller unkompliziert unter den Ständen getauscht werden, selbst wenn Gäste das Geschirr mal an einem anderen Stand zurückgeben. Und Rudolf Schutz, in der dritten Generation mit dem „Spezial Grill“ auf dem Weihnachtsmarkt, weiß zu erzählen: „Wir haben auch wunderschöne Pfandteller mit Weihnachtsmotiv, der eine oder andere nimmt ihn auch als Andenken mit nach Hause.“
Videos vom Weihnachtsmarkt mit Peter Barth (Betreiber des Schwarzwaldgrills) und Rudolf Schutz (Betreiber des Spezial Grills), Friedrich Rüwe (Betreiber der Bonbon-Manufaktur) sowie von der zweiten Bonner Mehrwegmesse am 26. August 2025 rund um den Trinkpavillon im Stadtpark Bad Godesberg für Gastronom*innen mit verschiedenen Systemanbietern und Jürgen Harder (Gastronom beim Bonner SC und Geschäftsführer der Brückenforum GmbH), vom Tag des Mehrwegs am 3. September 2025 auf dem Münsterplatz mit Kathrin Krumbach (Abteilungsleitung Veranstaltungskoordination der Bundesstadt Bonn) und Friedrich Rüwe (2. Vorsitzender Schaustellerverband Bonn), Statements von Sandra Brenner (1. Präsidentin der KG Fidele Möhnen) und Beschicker*innen bei Pützchens Markt wurden auf den Instagram-Kanal der Initiative „Bonn geht den Mehrweg“ (@bonngehtdenmehrweg) veröffentlicht.
Weitere Informationen, aktuelle Kampagnenmotive und Material wie Hygieneleitfäden für größere Veranstaltungen erhalten Interessierte auf der Webseite www.bonn-geht-den-mehrweg.de.
